Veranstaltungshinweis – 12.-13. Januar 2018 Symposium zu (Homo)Sexualität und Psychoanalyse

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

wir möchten auf das „Symposium zu (Homo)Sexualität und Psychoanalyse“ an der IPU hinweisen, dass am 12.01. und 13.01.18 stattfindet.

Programm
Kostenfreie Anmeldung unter info@ipu-berlin.de

„Zur Homosexualität gehört nicht selten jene Unangepaßtheit im sexuellen Bereich, vor der die schaudernd zurückschrecken, die gerade noch bereit waren, sich tolerant zu verhalten.“
(Martin Dannecker, 1971)*

Als Sigmund Freud die Sexualtheorie als Herzstück der Psychoanalyse auszuarbeiten begann, ließ er sich nicht von der Vorstellung einer natürlichen Sexualität leiten. Die heterosexuelle Objektwahl galt ihm als nicht weniger erklärungsbedürftig als die homosexuelle. Doch was trotz begleitender Widersprüche mit Impulsen von Neugierde und kritischem Denken anhob, verkehrte sich in den Folgejahren der psychoanalytischen Theoriebildung zum Festhalten an der Norm einer vermeintlich reifen genitalen Heterosexualität. Die daraus entspringende feindselige und pathologisierende Haltung gegenüber Homosexuellen hat ihre Ausläufer bis in die jüngere Vergangenheit.

Heute ist eine offene Ablehnung der Homosexualität in der psychoanalytischen Community jedoch die Ausnahme und zaghaft setzte sogar eine Aufarbeitung des homosexuellenfeindlichen Erbes ein. Da allerdings die Sexualtheorie allgemein ihren Status zugunsten anderer Paradigmen eingebüßt hat, in den theoretischen Debatten folglich leisere Töne angeschlagen werden, bleibt zu diskutieren, was die Psychoanalyse heute zur (Homo)Sexualität zu sagen hat. Unser Symposium möchte hierzu eine Auseinandersetzung anregen.

Nicht ohne Grund laden wir zu dieser Diskussion im Zusammenhang mit der Ausstellung „Faszination Sex“ über den Theoretiker und Schwulenaktivisten Martin Dannecker im Schwulen Museum Berlin. Als einer der bedeutendsten deutschen Sexualwissenschaftler ist sein theoretisches Arbeiten seit den 1970er Jahren von Grund auf geprägt von der freudschen Psychoanalyse. Auf deren Verständnis der Triebtheorie und des Subjekts beharrend, kritisiert Dannecker seit jeher die Ressentiments gegen Homosexuelle in der psychoanalytischen Theorie und Praxis.

Ausgehend von Danneckers umfangreichen Studien geben wir mit dem Symposium Anlass, um an zwei Tagen über das spannungsgeladene Verhältnis der Psychoanalyse zur (Homo)Sexualität zu diskutieren und neue psychoanalytische Theorieentwürfe in diesem Feld zu erforschen. Nicht zuletzt möchten wir das zentrale Anliegen Danneckers aufgreifen, eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Erscheinungen des (Homo)Sexuellen fortzuführen.

Wir freuen uns auf spannende und anregende Diskussionen.

Konzeptuelle Verantwortung: Victoria Preis, Aaron Lahl, Patsy l’Amour laLove

*Martin Dannecker: Wer lächelt schon, wenn er aus dem Schlaf gerissen wird? In: Fernsehspiele Westdeutscher Rundfunk: Januar – Juni 1972. Veröffentlicht 1971.

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Mittwoch, 1. Februar 2017 um 20:00 Uhr – Lesung mit Patsy l’Amour laLove.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

der erste Teil der Veranstaltungsreihe „Kritik der Kritik“ schließt mit einer Lesung von Patsy l’Amour laLove:

„Man kann die normative Bevorzugung der Heterosexuellen in dieser Gesellschaft, die die Normalen erst zu solchen werden lässt, zwar verleugnen. Sie bleibt dennoch bestehen. Eine solche, zwangsweise missglückende Normalisierung der eigenen Person, wie sie in der Behauptung, so normal wie alle anderen zu sein, versucht wird, muss letztlich als Unterwerfungsgeste verstanden werden: Das Gefühl, normal zu sein, ist nur zu dem Preis zu haben, sich den gängigen Vorstellungen von Normalität anzupassen. Die Homosexualität, um deren Akzeptanz doch eigentlich geworben werden soll, soll möglichst weit in Richtung ihrer Unkenntlichkeit verblassen. Eine solche Rechnung aber geht nicht auf.“

Die Referentin wird ihre bisher einzige Lesung zu diesem Thema in Berlin darbieten mit einigen Einsprengseln zur Aktualisierung und Erläuterung ihres im September 2016 erschienen Sammelbandes „Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität.“ Im Mittelpunkt werden auf Emanzipation angelegte Bemühungen stehen, die nicht selten Unterwerfungen sind, statt einer selbstbewussten Entgegnung.

Die Polit-Tunte Patsy l‘Amour laLove schreibt ihre Dissertation zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre in Westdeutschland und organisiert zahlreiche kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen, bspw. „Polymorphia – die TrümmerTuntenNacht“ im Neuköllner SchwuZ. Am 01. März erscheint der von ihr herausgegebene Sammelband „Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten“ im Querverlag.
Webseite: patsy-love.de

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Aktualisiert: Freitag, 27. Januar 2017 um 20:00 Uhr – Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten. Vortrag und Diskussion mit Tjark Kunstreich.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

der Vortrag von Tjark Kunstreich diese Woche findet nicht, wie angekündigt, am Donnerstag, sondern am Freitag den 27.01. um 20:00 Uhr statt. Wir bitten um Entschuldigung.

Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten

Nachdem es zuletzt zu Beginn der 1990er Jahre eine nennenswerte
Diskussion um die Haltung der Psychoanalyse zur Homosexualität gab, ist
diese nach einer fast zwanzig Jahre währenden Latenz in den vergangenen
fünf Jahren wieder aufgeflammt. Nach den damaligen Auseinandersetzungen
in der American Psychoanalytic Association um die Zulassung offen
homosexueller Kandidatinnen und Kandidaten, war die Diskussion in den
Regionen und Gesellschaften weitergeführt worden, und es ist kaum
überraschend, dass aktuell deutlich wird, dass diese Diskussionen zu
sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen geführt haben. Der Vortrag
wird um die Frage kreisen, ob es bei dieser Diskussion um mehr und
anderes geht als die Anpassung der Psychoanalyse an
Antidiskriminierungsgesetze: zur Disposition steht die Psychogenese von
Objekt- und Geschlechtswahl.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Freitag, 27. Januar 2017 um 20:00 Uhr – Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten. Vortrag und Diskussion mit Tjark Kunstreich.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

bereits eine Woche nach dem Vortrag von Tove Soiland geht es mit „Kritik der Kritik“ weiter, mit einem Vortrag von Tjark Kunstreich:

Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten

Nachdem es zuletzt zu Beginn der 1990er Jahre eine nennenswerte
Diskussion um die Haltung der Psychoanalyse zur Homosexualität gab, ist
diese nach einer fast zwanzig Jahre währenden Latenz in den vergangenen
fünf Jahren wieder aufgeflammt. Nach den damaligen Auseinandersetzungen
in der American Psychoanalytic Association um die Zulassung offen
homosexueller Kandidatinnen und Kandidaten, war die Diskussion in den
Regionen und Gesellschaften weitergeführt worden, und es ist kaum
überraschend, dass aktuell deutlich wird, dass diese Diskussionen zu
sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen geführt haben. Der Vortrag
wird um die Frage kreisen, ob es bei dieser Diskussion um mehr und
anderes geht als die Anpassung der Psychoanalyse an
Antidiskriminierungsgesetze: zur Disposition steht die Psychogenese von
Objekt- und Geschlechtswahl.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Donnerstag, 19. Januar 2017 um 20:00 Uhr – Postödipale Subjekte und ihr Geschlecht. Vortrag und Diskussion mit Tove Soiland.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

es geht weiter mit unserer Veranstaltungsreihe „Kritik der Kritik“, mit einem Vortrag von Dr. Tove Soiland:

Postödipale Subjekte und ihr Geschlecht

Jacques Lacan hat mit seiner These eines Wandels in den Über-Ich-Strukturen, wie er sie in seinen Seminaren Ende der 1960er formulierte, einen wichtigen Beitrag zu einer Gegenwartsdiagnose spätkapitalistischer Gesellschaften geleistet. Unter dem Stichwort „postödipale Subjektivierung“ werden seine Thesen heute von der Schule von Ljubljana weitergeführt, um die Fallstricke jener Liberalisierung, die die Proteste der 68er Generation massgeblich mitangestossen haben, zu verstehen.
Vor diesem Hintergrund geht der Vortrag der Frage nach, ob dem Auftauchen multipler geschlechtlicher Positionen, wie sie heute im Zuge des Cultural turn als Unterwanderung der traditionellen Geschlechterordnung hochgehalten werden, tatsächlich ein subversives Potential zukommt, oder ob diese nicht vielmehr Ausdruck einer neuartigen „Biopolitik des Genießens“ sind, die, weit davon entfernt, befreite Subjekt hervorzubringen, diese einer neuartigen Form von Herrschaft unterwerfen.

Tove Soiland, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Zürich. Sie hat derzeit die Klara-Marie-Faßbinder-Gastprofessur in Ludwigshafen inne und ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten.
2008 promovierte sie an der Universität Zürich zu »Luce Irigarays Denken der sexuellen Differenz. Eine dritte Position im Streit zwischen Lacan und den Historisten«. 2009 schrieb sie für das Stadttheater Bern die szenische Lesung »Nehmen Sie Ihr Gender selbst in die Hand, Madam!«. 2003 initiierte sie den »Gender-Streit«, eine Kontroverse um die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs. Für das Historisch-kritische Wörterbuchs des Marximus (8/1) verfasste sie 2013 den Eintrag »Lacanismus«.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Donnerstag, 15.Dezember 2016 um 19:00 Uhr – Kritische Einführung in die Theorie Judith Butlers

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

wir laden alle, die sich mit Judith Butlers Arbeiten und der Kritik daran noch nicht auskennen, herzlich zu einer kritischen Einführung in die Theorie Judith Butlers ein. Beginn ist 19:00 Uhr, daran anschließend der Vortrag von Dr. Eva Laquièze-Waniek.

19 Uhr: Kritische Einführung in die Theorie Judith Butlers
20 Uhr: Eva Laquièze-Waniek: Kritik an Judith Butlers Freud-Kritik – oder:
Warum wir niemals restlos homo- oder heterosexuelle Frauen oder Männer werden.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.