Mittwoch, 1. Februar 2017 um 20:00 Uhr – Lesung mit Patsy l’Amour laLove.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

der erste Teil der Veranstaltungsreihe „Kritik der Kritik“ schließt mit einer Lesung von Patsy l’Amour laLove:

„Man kann die normative Bevorzugung der Heterosexuellen in dieser Gesellschaft, die die Normalen erst zu solchen werden lässt, zwar verleugnen. Sie bleibt dennoch bestehen. Eine solche, zwangsweise missglückende Normalisierung der eigenen Person, wie sie in der Behauptung, so normal wie alle anderen zu sein, versucht wird, muss letztlich als Unterwerfungsgeste verstanden werden: Das Gefühl, normal zu sein, ist nur zu dem Preis zu haben, sich den gängigen Vorstellungen von Normalität anzupassen. Die Homosexualität, um deren Akzeptanz doch eigentlich geworben werden soll, soll möglichst weit in Richtung ihrer Unkenntlichkeit verblassen. Eine solche Rechnung aber geht nicht auf.“

Die Referentin wird ihre bisher einzige Lesung zu diesem Thema in Berlin darbieten mit einigen Einsprengseln zur Aktualisierung und Erläuterung ihres im September 2016 erschienen Sammelbandes „Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität.“ Im Mittelpunkt werden auf Emanzipation angelegte Bemühungen stehen, die nicht selten Unterwerfungen sind, statt einer selbstbewussten Entgegnung.

Die Polit-Tunte Patsy l‘Amour laLove schreibt ihre Dissertation zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre in Westdeutschland und organisiert zahlreiche kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen, bspw. „Polymorphia – die TrümmerTuntenNacht“ im Neuköllner SchwuZ. Am 01. März erscheint der von ihr herausgegebene Sammelband „Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten“ im Querverlag.
Webseite: patsy-love.de

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

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Aktualisiert: Freitag, 27. Januar 2017 um 20:00 Uhr – Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten. Vortrag und Diskussion mit Tjark Kunstreich.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

der Vortrag von Tjark Kunstreich diese Woche findet nicht, wie angekündigt, am Donnerstag, sondern am Freitag den 27.01. um 20:00 Uhr statt. Wir bitten um Entschuldigung.

Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten

Nachdem es zuletzt zu Beginn der 1990er Jahre eine nennenswerte
Diskussion um die Haltung der Psychoanalyse zur Homosexualität gab, ist
diese nach einer fast zwanzig Jahre währenden Latenz in den vergangenen
fünf Jahren wieder aufgeflammt. Nach den damaligen Auseinandersetzungen
in der American Psychoanalytic Association um die Zulassung offen
homosexueller Kandidatinnen und Kandidaten, war die Diskussion in den
Regionen und Gesellschaften weitergeführt worden, und es ist kaum
überraschend, dass aktuell deutlich wird, dass diese Diskussionen zu
sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen geführt haben. Der Vortrag
wird um die Frage kreisen, ob es bei dieser Diskussion um mehr und
anderes geht als die Anpassung der Psychoanalyse an
Antidiskriminierungsgesetze: zur Disposition steht die Psychogenese von
Objekt- und Geschlechtswahl.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Freitag, 27. Januar 2017 um 20:00 Uhr – Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten. Vortrag und Diskussion mit Tjark Kunstreich.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

bereits eine Woche nach dem Vortrag von Tove Soiland geht es mit „Kritik der Kritik“ weiter, mit einem Vortrag von Tjark Kunstreich:

Zur aktuellen psychoanalytischen Diskussion um (Homo-)Sexualitäten

Nachdem es zuletzt zu Beginn der 1990er Jahre eine nennenswerte
Diskussion um die Haltung der Psychoanalyse zur Homosexualität gab, ist
diese nach einer fast zwanzig Jahre währenden Latenz in den vergangenen
fünf Jahren wieder aufgeflammt. Nach den damaligen Auseinandersetzungen
in der American Psychoanalytic Association um die Zulassung offen
homosexueller Kandidatinnen und Kandidaten, war die Diskussion in den
Regionen und Gesellschaften weitergeführt worden, und es ist kaum
überraschend, dass aktuell deutlich wird, dass diese Diskussionen zu
sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen geführt haben. Der Vortrag
wird um die Frage kreisen, ob es bei dieser Diskussion um mehr und
anderes geht als die Anpassung der Psychoanalyse an
Antidiskriminierungsgesetze: zur Disposition steht die Psychogenese von
Objekt- und Geschlechtswahl.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Donnerstag, 19. Januar 2017 um 20:00 Uhr – Postödipale Subjekte und ihr Geschlecht. Vortrag und Diskussion mit Tove Soiland.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

es geht weiter mit unserer Veranstaltungsreihe „Kritik der Kritik“, mit einem Vortrag von Dr. Tove Soiland:

Postödipale Subjekte und ihr Geschlecht

Jacques Lacan hat mit seiner These eines Wandels in den Über-Ich-Strukturen, wie er sie in seinen Seminaren Ende der 1960er formulierte, einen wichtigen Beitrag zu einer Gegenwartsdiagnose spätkapitalistischer Gesellschaften geleistet. Unter dem Stichwort „postödipale Subjektivierung“ werden seine Thesen heute von der Schule von Ljubljana weitergeführt, um die Fallstricke jener Liberalisierung, die die Proteste der 68er Generation massgeblich mitangestossen haben, zu verstehen.
Vor diesem Hintergrund geht der Vortrag der Frage nach, ob dem Auftauchen multipler geschlechtlicher Positionen, wie sie heute im Zuge des Cultural turn als Unterwanderung der traditionellen Geschlechterordnung hochgehalten werden, tatsächlich ein subversives Potential zukommt, oder ob diese nicht vielmehr Ausdruck einer neuartigen „Biopolitik des Genießens“ sind, die, weit davon entfernt, befreite Subjekt hervorzubringen, diese einer neuartigen Form von Herrschaft unterwerfen.

Tove Soiland, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Zürich. Sie hat derzeit die Klara-Marie-Faßbinder-Gastprofessur in Ludwigshafen inne und ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten.
2008 promovierte sie an der Universität Zürich zu »Luce Irigarays Denken der sexuellen Differenz. Eine dritte Position im Streit zwischen Lacan und den Historisten«. 2009 schrieb sie für das Stadttheater Bern die szenische Lesung »Nehmen Sie Ihr Gender selbst in die Hand, Madam!«. 2003 initiierte sie den »Gender-Streit«, eine Kontroverse um die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs. Für das Historisch-kritische Wörterbuchs des Marximus (8/1) verfasste sie 2013 den Eintrag »Lacanismus«.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Donnerstag, 15.Dezember 2016 um 19:00 Uhr – Kritische Einführung in die Theorie Judith Butlers

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

wir laden alle, die sich mit Judith Butlers Arbeiten und der Kritik daran noch nicht auskennen, herzlich zu einer kritischen Einführung in die Theorie Judith Butlers ein. Beginn ist 19:00 Uhr, daran anschließend der Vortrag von Dr. Eva Laquièze-Waniek.

19 Uhr: Kritische Einführung in die Theorie Judith Butlers
20 Uhr: Eva Laquièze-Waniek: Kritik an Judith Butlers Freud-Kritik – oder:
Warum wir niemals restlos homo- oder heterosexuelle Frauen oder Männer werden.

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.

Donnerstag, 15.Dezember 2016 um 20:00 Uhr – Melancholische Identifizierung vs. Begehren. Vortrag und Diskussion mit Eva Laquièze-Waniek.

Liebe Freundinnen und Freunde der krIPU,

unsere Veranstaltungsreihe „Kritik der Kritik“ wird in diesem Semester fortgesetzt, mit einem Vortrag von Dr. Eva Laquièze-Waniek:

Melancholische Identifizierung vs. Begehren. Kritik an Judith Butlers Freud-Kritik – oder: Warum wir niemals restlos homo- oder heterosexuelle Frauen oder Männer werden.

Zu einer der interessantesten Auseinandersetzungen der Gender Studies mit der Psychoanalyse zählt Judith Butlers Bezugnahme auf Sigmund Freud, wenn sie diesen für ein zeitgemäßes Begreifen des geschlechtlichen Subjekts fruchtbar machen will. Dabei bezieht sie sich sowohl affirmativ als auch kritisch auf seine Theoreme zu Trauer und Melancholie, um besser verständlich zu machen, inwiefern sich geschlechtliche Identität nicht unwillkürlich mit dem biologischen oder anatomischen Körper einstellt, sondern einer psychischen Aneignung des Subjekts bedarf, die in engem Zusammenhang mit den diskursiven Normvorstellungen einer Gesellschaft steht.
Hierbei zeigt Butler auf, dass der vom Inzestverbot erzwungene Verzicht des Kindes, die Mutter und den Vater als Liebesobjekte zu genießen, den Prozess der Aneignung eines Geschlechts in Gang bringt, wobei allerdings nicht das Glücken, sondern das Scheitern dieses Verzichts maßgeblich wirke; denn es sei die Art und Weise, wie wir uns die Liebe zum gleichgeschlechtlichen Elternteil nicht eingestehen und diese nicht betrauern, die zur Identifizierung mit dem Geschlecht eines bestimmten Elternteils führe. Von hier aus gelangt sie zu der paradox klingenden These, wonach der »eigentlich wahre melancholische Homosexuelle« jener heterosexuelle Mann sei, der niemals um die Liebe zu seinem Vater getrauert habe, und die »eigentlich wahre melancholische Homosexuelle« jene heterosexuelle Frau, die niemals um die Liebe zu ihrer Mutter getrauert habe (Psyche der Macht. Das Subjekt der Unterwerfung. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2001, S. 138).
Auch wenn Butlers Freud-Lektüre zu Recht das melancholische Fundament geschlechtlicher Identifizierungen wieder in Erinnerung bringt und in den Gender Studies heute als Kanon gilt, zeigt eine genaue Relektüre der Quellentexte dennoch, dass sie wichtige Momente des unbewussten Prozesses der Geschlechtsannahme übersah, was sich nicht unproblematisch für die Auffassung von Homo- und Heterosexualität auswirkt.
Ziel des Vortrags ist es, Butlers Lesart von Freud einer Kritik zu unterziehen, wobei im Zentrum der vielschichtige Prozess der geschlechtsspezifischen Identifizierungen im Unbewussten stehen soll. Dies wird die Einsicht nahe legen, dass geschlechtliche Identität und Begehren gerade dadurch erlangt werden, insofern sie niemals restlos angeeignet werden können – was ein Scheitern „ganzer“ Subjektwerdung voraussetzt, das letztlich auch dafür verantwortlich ist, dass wir nicht restlos in den Anrufungen hegemonialer Geschlechternormen aufgehen.

Eva Laquièze-Waniek: Mag. Dr., Philosophin, Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt sowie an den Universitäten Graz und Wien; Forschungsschwerpunkte: Psychoanalyse, Geschlechterforschung, Sprachphilosophie und Kunst. Nach Aufenthalten in Berkeley, Straßburg und Budapest lebt sie derzeit in Nizza. Letzte Buchpublikation: Die letzten Tage der Klischees. Übertragungen in Psychoanalyse, Kunst und Gesellschaft, (hrsg. gem. mit Robert Pfaller), Turia + Kant, Wien, Berlin 2013; weitere Informationen: http://eva-laquieze.com/

Wo?
International Psychoanalytic University
Stromstraße 2, 10555 Berlin.
Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, (Haus 2), 3. Etage statt.
Eintritt frei.